Wirtschaftsförderung für cradle to cradle-Technologien

Positionspapier der Piratenpartei Bremerhaven

Bereich Finanzen und Wirtschaft

Unsere Position:

Wir produzieren täglich Abfall. Über 39 Millionen Tonnen haben Müllwagen in Deutschland allein im Jahr 2010 gesammelt. Wir verschmutzen die Erde jeden Tag ein bisschen mehr – und das obwohl der Mensch das einzige Lebewesen ist, das überhaupt Müll produziert. Wie könnten wir es schaffen, unser Leben beispielsweise so intelligent sauber zu gestalten wie eine Ameise? Denn dann gäbe es gar kein Müllproblem. Fakt ist: Wir schaffen es pro Kopf aktuell auf rund 450 Kilogramm Abfall im Jahr – knapp eine halbe Tonne. Doch was tun damit? Trennen, verbrennen, recyclen?

Produkte sollten so hergestellt werden, dass sie Bestandteil biologischer oder technologischer Kreisläufe sind. Man nennt dies das „cradle to cradle“ Prinzip, was so viel wie ein zyklisches System von der Wiege bis zur Wiege umschreibt. Damit stellt er den Begriff der „Ökoeffektivität“ in Kontrast zur betriebswirtschaftlichen Kennzahl der „Ökoeffizienz“, die den Stoffkreislauf und dessen Umweltwirkungen „nur“ von der Wiege bis zur Bahre analysiert.

Ist das realistisch? Eindeutig: ja! Nike entwickelt bereits einen Sportschuh, der nach Gebrauch völlig zerlegt und zu neuen Schuhen verarbeitet werden kann, für Trigema entwickelte Michael Braungarts Hamburger Umweltinstitut epea ein kompostierbares T-Shirt, das gleiche gilt für die Sitzbezüge mancher Airbus-Flieger. Wie sieht es aber mit der Umsetzung und der Öffentlichkeitsarbeit für das cradle to cradle-Prinzip aus? Nun, Steven Spielberg dreht einen Dokumentarfilm über den Erfinder Michael Braungart, die niederländische Regierung will 2012 nur noch cradle to cradle-Design einkaufen und Gouverneur Schwarzenegger hat Kalifornien zum ersten „cradle to cradle-Staat“ ausgerufen.

Damit aber solche Prozesse wie „cradle to cradle“ vorstellbar sind, müsste sich ein neues Konsumdenken etablieren. Anstatt Produkte zu gebrauchen, bis sie kaputt gehen, nähme der Hersteller sie in jedwedem Zustand zurück, um sie für neue Produktionen zu nutzen. Hohe Kundenzufriedenheit und wirtschaftlicher Wachstum wären gleichermaßen gewährleistet. Dies gilt es zu fördern und als zukunftsweisenden und visionären Wirtschaftszweig nach Bremerhaven zu holen.

Bei der Veränderung dieses Konsumdenken könnte die Stadt Bremerhaven eine Vorreiterrolle insbesondere im Hinblick auf das Ziel „Klimastadt“ spielen. Realistisch und nüchtern betrachtet muss man eingestehen, dass die Stadt Bremerhaven hier selbst bestenfalls symbolisch agiert.

Dass aber der Gedanke „weg von der Minimierung des Schadens, hin zur Maximierung des Nutzens“ Teil der Debatte um Nachhaltigkeit in der Umwelt- und Wirtschaftspolitik wird, kann dieser selbst nur nutzen.

Die Wirtschaftsförderung der Stadt Bremerhaven sollte Unternehmen und Infrastrukturmaßnahmen, die sich dem cradle to cradle-Prinzip verpflichten eine bevorzugte Förderung anbieten. Dies dient sowohl einer nachhaltigeren Umweltpolitik als auch der Erfüllung der selbstgesteckten Klimaziele.