Liberalisierung der Trauerkultur

Positionspapier der Piratenpartei Bremerhaven

Bereich Gesellschaft und Bürgerbeteiligung

Unsere Position:

Nicht jeder Mensch ist gleich und jeder Mensch lebt sein Leben anders. Deswegen suchen Menschen vermehrt auch beim Thema Tod nach Alternativen und nach individuelleren Wegen; nach Möglichkeiten, die zur eigenen Person passen. Erd- und Feuerbestattungen außerhalb von Friedhöfen sind grundsätzlich nicht zulässig. Ausnahmen hiervon sowie Seebestattungen bedürfen der Genehmigung der zuständigen Behörde. Die Trauerkultur ist Teil der kulturellen Entwicklung einer Gesellschaft und in gewisser Weise ihr Spiegelbild. Eine Gesellschaft verändert sich, auch durch Migration, ständig. Unsere Gesellschaft sollte jedem eine passende Bestattungsmöglichkeit ermöglichen, gleich welcher Religionszugehörigkeit oder Herkunft der Mensch war.

Die Würde eines jeden Einzelnen ist unantastbar. Dazu gehört es auch, jeden in seiner Unterschiedlichkeit auch nach dem Tod gleich zu behandeln, in dem hier die individuelle Entfaltung ihren Abschluss finden kann. Der Respekt vor der Pluralität der Menschen sollte auch in der Gesetzgebung zu Tod und Bestattungen ihren Ausdruck finden und dem freien Wunsch des Einzelnen Rechnung tragen.

Die geltenden Gesetze sind starr und von formalen Einschränkungen geprägt. So sind beispielsweise im Bundesland Bremen zur Bewirtschaftung und Verwaltung der Friedhöfe, die Friedhofsträger berechtigt folgende personenbezogene Daten der Verstorbenen zu erfassen und zu verarbeiten: Vor-, Geburts- und Nachnamen, letzte Adresse, Geburts- und Sterbedatum, Sterberegisternummer, Ort und Zeitpunkt der Einäscherung, Einäscherungsnummer, Zeitpunkt der Bestattung, Bestattungsnummer, Art, Lage und Zustand der Grabstelle, Bestattungen in der Grabstelle, Dauer des Nutzungsrechts, Ruhefrist, Vorhandensein von Grabmalen und Einfassungen sowie Datum der Genehmigung, Name und Adresse des Bestatters und die Leistungen des Friedhofsträgers. Bürokratischer geht es kaum. Zurzeit haben Kommunen und christliche Kirchen zudem ein historisch begründetes, aber kaum zeitgemäßes, Monopol auf Bestattungen und deren Bewirtschaftung. Während anderswo Trauerwälder eine natürliche Alternative bieten und zunehmend Anklang finden, ist dies in Bremerhaven nicht möglich. Besonders aber sollte in unserer, dem Meer besonders verbundenen und noch dazu räumlich begrenzten Stadt Bremerhaven, die Möglichkeit der Seebestattung eher eine Normalität, denn eine genehmigungspflichtige Ausnahme sein.

Die Zeit in der alle Menschen den christlichen Kirchen angehörten oder zumindest einem solchen Glauben fest zuzurechnen waren ist bereits seit längerem vorbei. Neben einer großen Zahl konfessionsloser Einwohner sind auch Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Es besteht kein hinreichender Grund, diesen Einwohnern eine ihrer kulturellen Identität entsprechende Möglichkeit der Bestattung und der Trauerkultur zu verwehren.

Die Piratenpartei Bremerhaven ist der Überzeugung, dass eine Liberalisierung der Trauerkultur nicht nur der freien Entfaltung der Persönlichkeit eine weitere Möglichkeit hinzufügt, sondern dass bestehende Gesetzgebung auch die Aufgabe hat eine Assimilierung neuer Einwohner zu ermöglichen und in dem Sinne angepasst werden muss, dass diese den ständigen Veränderungen der Gesellschaft und ihren Integrationsanforderungen anzupassen ist.