ACTA? Was’n das?

Der weitaus größte Teil aller Menschen in Deutschland und der EU dürfte von ACTA noch nie etwas gehört haben. Nachfolgend wollen wir einmal eine Erläuterung bieten und die Vor- und Nachteile aufzeigen. Es handelt sich dabei um Material, das aus verschiedenen Quellen zusammengetragen wurde (Quellen:  PiratenWiki, Wikipedia, Zeit Online).

Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) ist ein geplantes multinationales Handelsabkommen auf völkerrechtlicher Ebene und ist aufgrund der Geheimhaltung, die darum betrieben wird, ein beliebtes Spekulationsobjekt.. Die teilnehmenden Nationen bzw. Staatenbünde geben an, damit den Kampf gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen verbessern zu wollen. Die Verhandlung über die Details des Abkommens finden seit 2007 unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weshalb auch der genaue Verhandlungsstand unbekannt ist. Teilnehmer sind: Die USA, Kanada, die Europäische Union (vertreten durch die EU-Kommission), Schweiz, Japan, Südkorea, Singapur, Australien, Neuseeland, Mexiko, Jordanien, Marokko und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Europäische Kommission nennt drei Ansatzpunkte, über die das ACTA Urheberrechte forcieren wird:

  1. Internationale Kooperation
  2. Abstimmung des Gesetzesvollzugs
  3. Schaffung neuer Gesetze zur Verwertung geistigen Eigentums

Es wird befürchtet, das Vertragswerk werde Regelungen wie im Freihandelsabkommen zwischen den USA und Südkorea beinhalten. In diesem werden die Internet-Service-Provider unter Druck gesetzt, entweder für illegale Inhalte haften zu müssen oder sich bereit zu erklären, Internetzugänge zu sperren.

Die von der EU mit den Verhandlungen beauftragte Generaldirektion Außenhandel ist eigentlich an geltendes EU-Recht gebunden, das es bisher nicht erlaubt, die Provider für die transportierten Inhalte verantwortlich zu machen. Mit dem Abkommen könnte aber das rigidere US-Urheberrecht auf die internationale Ebene übertragen werden.

Größte Bauchschmerzen löst deswegen die Transparenzdefinition der Verhandelnden aus. Scheinbar geht es weniger darum, Prozesse und Inhalte sichtbar oder nachvollziehbar zu machen, sondern alles möglichst undurchsichtig zu halten, im Sinne von wenig konturiert und schwer zu greifen.

Zu den Verhandlungen wurden zwar Vertreter der Internetwirtschaft und NGOs eingeladen, im Gegensatz zu den Wirtschaftvertretern bekamen die NGOs aber nur Teile des Vertrages zu sehen. Alle mussten sich zudem verpflichten, nichts an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Viele werden das kennen: Man sieht sie nicht, aber sie tun ganz schön weh, wenn man dagegen prallt – gut geputzte Glasscheiben.

Die Abschottung der ACTA-Verhandlungen gegenüber der Öffentlichkeit und breiterer Einflussnahme unterschiedlicher Interessengruppen könnte zu einem sehr unausgewogenen Vertragswerk führen, das sich letztlich nicht bloß gegen Produktpiraterie richtet, sondern ebenso normale Nutzer zunehmend mit Rechtsfragen sogenannten „geistigen Eigentums“ zusammenprallen lässt – noch mehr Klagen an Internetnutzer als jetzt schon wären die Folge. Dabei ist es nicht so, dass niemand gegen die Scheibe anrennen würde. So kommt die World Intellectual Property Organisation (WIPO), die sich vor allem der Perspektive ärmerer Länder auf Fragen geistigen Eigentums widmet, zu viel differenzierteren Ergebnissen. Gesamtwirtschaftliche Kosten und Nutzen verstärkter Strafverfolgung seien nicht so klar wie von der Verwertungsindustrie propagiert, vielmehr seien die Faktoren „lokale Situation, Branche, Ziele der Kunden“ zu berücksichtigen.

Unter diesen Umständen kommt der WIPO-Chefökonom Carsten Fink lediglich bei der „Beseitigung irreführender oder gefährlicher Produkte, etwa gefälschter Medikamente“ zu positiven Einschätzungen, was härtere Maßnahmen angeht. In allen anderen Bereichen, seien die Effekte kontraproduktiv oder ungewiss.

Nach Abs. 5 des Bundesverfassungsgerichtsurteils bzgl. der Vorratsdatenspeicherung, welche für die Überprüfung durch die Internetdienstanbieter benötigt würde, ist in der BRD eine schwere Straftat erforderlich, um rechtmäßig (wenn denn ein verfassungsgemäßes Gesetz existiert) eingreifen zu können.

Nach § 100a StPO ist in der BRD die Überwachung des Fernmeldeverkehrs nur im Falle einer in diesem Paragraphen aufgelisteten „schweren Straftat“ (z.B. Hochverrat und Gefährdung der demokratischen Ordnung) gesetzmäßig.

Die Gegnerschaft von ACTA formiert sich aus Bürgerrechtsorganisationen und Staaten, die sogar an Abkommen wie TRIPS teilnehmen, insbesondere Indien und China. Breite Unterstützung erhalten China und Indien von Mauritius, Peru, Kuba, Bolivien, Ecuador, Ägypten, Südafrika, Brasilien und der Afrikagruppe (Nigerianischsprachige). Deren Argumente sind, dass ACTA mit TRIPS und anderen WTO Vereinbarungen im Konflikt steht. Dadurch

  • entsteht Rechtsunsicherheit,
  • wird der Handel verzerrt bzw. werden Handelsbarrieren aufgebaut und Güter im Verkehr behindert,
  • wird die Flexibilität des TRIPS Abkommens untergraben,
  • werden die Freiheiten der Regierungen genommen, mit eigenen Mitteln gegen IP-Verstöße vorzugehen, da man zur reinen Vollstreckung gezwungen wird, und
  • regionale Abkommen müssten sich den Regelungen von ACTA unterwerfen.

Außerdem wird der Entwicklungsstand der jeweiligen Staaten nicht beachtet. Ihre Forderung lautet: „ein solches Abkommen muss aus einem multilateralen und transparenten Prozess entspringen“.

Eine Zusammenfassung der geplanten Inhalte:

Providerhaftung

Straftatbestände für Unterstützungshandlungen bei Urheberrechtsverletzungen sollen eingeführt werden was gegen aktuell geltendes EU-Recht verstößt. Das Ganze zielt bewusst auf Internetprovider ab: Wenn diese keine Maßnahmen à la „Three-Strikes“ einführen, sind sie schadenersatzpflichtig. Denkbare Alternativen wären auch Netzsperren und Inhaltsfilterung (DPI).

Three-Strikes-Regelung

Provider müssen sicher stellen, dass keine Urheberrechtsverletzungen stattfinden. „Three-Strikes“ stand explizit in den Fußnoten eines durchgesickerten Dokuments. Im später offiziell veröffentlichten Dokument wurden diese Fußnoten aber offensichtlich bewusst weggelassen.

Zolldurchsuchung & Beschlagnahme

Zollbeamte müssen aufgrund der bloßen Vermutung des Rechteinhabers Geräte mit Datenträgern wie Mobiltelefone, Notebooks und MP3-Player durchsuchen und beschlagnahmen. Der Besitzer muss dann nachweisen, dass darauf gespeicherte urheberrechtlich geschützte Daten rechtmäßig erworben wurden.

DRM Umgehung

Das Umgehen des Digital Rights Managements (DRM), also Umgehen des Kopierschutzes, soll konsequent bestraft werden. So ist es beispielsweise verboten, einen gekauften DVD-Film auf das iPad zu kopieren, wenn die DVD einen Kopierschutz hat, im Ausland käuflich erworbene Video-DVDs dürfen nicht derart manipuliert werden, dass sie auf heimischen DVD-Geräten abgespielt werden können, usw..

Kriminalisierung

Das Abkommen sieht vor, dass eine einfache, nichtkommerzielle Urheberrechtsverletzung (z.B. Filesharing) die Grundlage für Schadensersatzforderungen bietet. In der Vergangenheit hat die Content-Industrie hier gerne einen sechsstelligen Bereich für wenige Werke angesetzt was einen hohen zweistelligen Prozentsatz der Bevölkerung mit Privatinsolvenz bedroht. Damit nicht genug: ACTA verpflichtet seine Unterzeichner, im Strafmaß für Urheberrechtsverletzungen auch Gefängnisstrafen ausdrücklich vorzusehen. So werden Millionen von Menschen zu potentiellen Verbrechern gemacht.

Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt

Die theoretische Balance der Interessen im Urheberrecht wird hierdurch weiter zu Gunsten der Verwerter verschoben. Die ursprüngliche Funktion des Urheberrechts als Interessensausgleich zwischen den Beteiligten wird immer mehr zur Sicherung eines überholten Geschäftsmodells missbraucht.

Patentrecht

Durch ACTA entstehen Nachteile für wirtschaftlich schwache Länder, was beispielsweise die Beschaffung von Generika, Informationstechnologie und anderer preiswerter Produkte angeht. Die größten Ängste liegen bei der Versorgung mit Medikamenten. Hier gibt es z.B. im TRIPS-Abkommen flexible Ausnahmeregelungen um die Versorgung sicherstellen zu können. Produkte und Medikamente können mit ACTA schon beschlagnahmt werden, wenn im Durchreiseland ein vermeintliches Patent dafür existiert, auch wenn im Ursprungs- und Zielland nachgewiesenermaßen kein Patent gültig ist (Bsp: Indien liefert über USA nach Mexiko). Das Problem mit fälschlich beschlagnahmten Waren existiert heute schon und wird mit ACTA noch weiter verschärft. Sich rechtlich zu widersetzen ist sehr schwierig.

Geheimverhandlungen

Details zu den getroffenen Absprachen zwischen den Regierungen sind nicht öffentlich sondern geheim. Die Beratungen in einzelnen Ländern sind handverlesenen Wirtschafts- und Lobbyistenvertretern vorbehalten. Die Zivilgesellschaft ist weitgehend ausgeschlossen.

keine parlamentarische Kontrolle

Insbesondere die Verweigerung der handlungsführenden Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament (EP) Informationen weiterzuleiten, ist nach Einführung des AEUV (Lissabonvertrags) höchst zweifelhaft, denn das EP muss seitdem in allen Phasen eines Verfahrens unverzüglich und umfassend durch die Kommission unterrichtet werden.

Öffentlichkeit wurde bewusst fehlinformiert

Es wurde offensichtlich, dass die Europäische Kommission bei einem Meeting am 22. März 2010 in Brüssel, das nur aufgrund von Druck aus dem EP und der Zivilgesellschaft stattfand, den Teilnehmern gefälschte Verhandlungsdokumente vorlegte.

Entgegen den Beteuerungen der Europäischen Kommission ist aus durchgesickerten Dokumenten nämlich ersichtlich, dass auch Regelungen, die über bestehendes EU-Recht hinausgehen, ernsthaft diskutiert wurden (Three-Strikes). Auch das Bundesjustizministerium hat die Unwahrheit verbreitet. Der Tenor war hier: „Es würden keine Rechte eingeschränkt oder Bürger schikaniert“

Länder mit gegenläufigen Interessen

Um Länder mit gegenläufigen Interessen auszuschließen, wird dieses Abkommen abseits der bereits existierenden Strukturen, der WIPO und der Welthandelsorganisation (WTO), ausgehandelt. ACTA spiegelt eindeutig die Interessen der Industriestaaten wider, nämlich die Erweiterung des Schutzes von geistigen Monopolrechten. Diese stehen den Interessen von Entwicklungs- und Schwellenländern sowie Bürgerrechtlern weltweit entgegen. In der WIPO herrscht diesbezüglich eine Pattsituation. Aber auch die unterschiedlichen Urheberrechtsphilosophien der Staaten stellen ein Problem für ein globales Abkommen dar. So zum Beispiel ist das Recht in der Bundesrepublik Deutschland urheberzentriert, in den USA hingegen wirtschaftlich ausgerichtet.

Ausweitung schon bestehender Abkommen und Organisationen wie TRIPS, WTO Agreement, WIPO, WZO

ACTA soll mit einer eigenständigen Organisation neben diese treten.

ACTA? Was’n Das?

Der weitaus größte Teil aller Menschen in Deutschland und der EU dürfte von ACTA noch nie etwas gehört haben. Nachfolgend wollen wir einmal eine Erläuterung bieten und die Vor- und Nachteile aufzeigen.

Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) ist ein geplantes multinationales Handelsabkommen auf völkerrechtlicher Ebene und ist aufgrund der Geheimhaltung, die darum betrieben wird, ein beliebtes Spekulationsobjekt.. Die teilnehmenden Nationen bzw. Staatenbünde geben an, damit den Kampf gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen verbessern zu wollen. Die Verhandlung über die Details des Abkommens finden seit 2007 unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weshalb auch der genaue Verhandlungsstand unbekannt ist. Teilnehmer sind: Die USA, Kanada, die Europäische Union (vertreten durch die EU-Kommission), Schweiz, Japan, Südkorea, Singapur, Australien, Neuseeland, Mexiko, Jordanien, Marokko und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Europäische Kommission nennt drei Ansatzpunkte, über die das ACTA Urheberrechte forcieren wird:

  1. Internationale Kooperation
  2. Abstimmung des Gesetzesvollzugs
  3. Schaffung neuer Gesetze zur Verwertung geistigen Eigentums

Es wird befürchtet, das Vertragswerk werde Regelungen wie im Freihandelsabkommen zwischen den USA und Südkorea beinhalten. In diesem werden die Internet-Service-Provider unter Druck gesetzt, entweder für illegale Inhalte haften zu müssen oder sich bereit zu erklären, Internetzugänge zu sperren.

Die von der EU mit den Verhandlungen beauftragte Generaldirektion Außenhandel ist eigentlich an geltendes EU-Recht gebunden, das es bisher nicht erlaubt, die Provider für die transportierten Inhalte verantwortlich zu machen. Mit dem Abkommen könnte aber das rigidere US-Urheberrecht auf die internationale Ebene übertragen werden.

Größte Bauchschmerzen löst deswegen die Transparenzdefinition der Verhandelnden aus. Scheinbar geht es weniger darum, Prozesse und Inhalte sichtbar oder nachvollziehbar zu machen, sondern alles möglichst undurchsichtig zu halten, im Sinne von wenig konturiert und schwer zu greifen.

Zu den Verhandlungen wurden zwar Vertreter der Internetwirtschaft und NGOs eingeladen, im Gegensatz zu den Wirtschaftvertretern bekamen die NGOs aber nur Teile des Vertrages zu sehen. Alle mussten sich zudem verpflichten, nichts an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Viele werden das kennen: Man sieht sie nicht, aber sie tun ganz schön weh, wenn man dagegen prallt – gut geputzte Glasscheiben.

Die Abschottung der ACTA-Verhandlungen gegenüber der Öffentlichkeit und breiterer Einflussnahme unterschiedlicher Interessengruppen könnte zu einem sehr unausgewogenen Vertragswerk führen, das sich letztlich nicht bloß gegen Produktpiraterie richtet, sondern ebenso normale Nutzer zunehmend mit Rechtsfragen sogenannten „geistigen Eigentums“ zusammenprallen lässt – noch mehr Klagen an Internetnutzer als jetzt schon wären die Folge. Dabei ist es nicht so, dass niemand gegen die Scheibe anrennen würde. So kommt die World Intellectual Property Organisation (WIPO), die sich vor allem der Perspektive ärmerer Länder auf Fragen geistigen Eigentums widmet, zu viel differenzierteren Ergebnissen. Gesamtwirtschaftliche Kosten und Nutzen verstärkter Strafverfolgung seien nicht so klar wie von der Verwertungsindustrie propagiert, vielmehr seien die Faktoren „lokale Situation, Branche, Ziele der Kunden“ zu berücksichtigen.

Unter diesen Umständen kommt der WIPO-Chefökonom Carsten Fink lediglich bei der „Beseitigung irreführender oder gefährlicher Produkte, etwa gefälschter Medikamente“ zu positiven Einschätzungen, was härtere Maßnahmen angeht. In allen anderen Bereichen, seien die Effekte kontraproduktiv oder ungewiss.

Nach Abs. 5 des Bundesverfassungsgerichtsurteils bzgl. der Vorratsdatenspeicherung, welche für die Überprüfung durch die Internetdienstanbieter benötigt würde, ist in der BRD eine schwere Straftat erforderlich, um rechtmäßig (wenn denn ein verfassungsgemäßes Gesetz existiert) eingreifen zu können.

Nach § 100a StPO ist in der BRD die Überwachung des Fernmeldeverkehrs nur im Falle einer in diesem Paragraphen aufgelisteten „schweren Straftat“ (z.B. Hochverrat und Gefährdung der demokratischen Ordnung) gesetzmäßig.

Die Gegnerschaft von ACTA formiert sich aus Bürgerrechtsorganisationen und Staaten, die sogar an Abkommen wie TRIPS teilnehmen, insbesondere Indien und China. Breite Unterstützung erhalten China und Indien von Mauritius, Peru, Kuba, Bolivien, Ecuador, Ägypten, Südafrika, Brasilien und der Afrikagruppe (Nigerianischsprachige). Deren Argumente sind, dass ACTA mit TRIPS und anderen WTO Vereinbarungen im Konflikt steht. Dadurch

  • entsteht Rechtsunsicherheit,

  • wird der Handel verzerrt bzw. werden Handelsbarrieren aufgebaut und Güter im Verkehr behindert,

  • wird die Flexibilität des TRIPS Abkommens untergraben,

  • werden die Freiheiten der Regierungen genommen, mit eigenen Mitteln gegen IP-Verstöße vorzugehen, da man zur reinen Vollstreckung gezwungen wird, und

  • regionale Abkommen müssten sich den Regelungen von ACTA unterwerfen.

Außerdem wird der Entwicklungsstand der jeweiligen Staaten nicht beachtet. Ihre Forderung lautet: „ein solches Abkommen muss aus einem multilateralen und transparenten Prozess entspringen“.

Eine Zusammenfassung der geplanten Inhalte:

Providerhaftung

Straftatbestände für Unterstützungshandlungen bei Urheberrechtsverletzungen sollen eingeführt werden was gegen aktuell geltendes EU-Recht verstößt. Das Ganze zielt bewusst auf Internetprovider ab: Wenn diese keine Maßnahmen à la „Three-Strikes“ einführen, sind sie schadenersatzpflichtig. Denkbare Alternativen wären auch Netzsperren und Inhaltsfilterung (DPI).

Three-Strikes-Regelung

Provider müssen sicher stellen, dass keine Urheberrechtsverletzungen stattfinden. „Three-Strikes“ stand explizit in den Fußnoten eines durchgesickerten Dokuments. Im später offiziell veröffentlichten Dokument wurden diese Fußnoten aber offensichtlich bewusst weggelassen.

Zolldurchsuchung & Beschlagnahme

Zollbeamte müssen aufgrund der bloßen Vermutung des Rechteinhabers Geräte mit Datenträgern wie Mobiltelefone, Notebooks und MP3-Player durchsuchen und beschlagnahmen. Der Besitzer muss dann nachweisen, dass darauf gespeicherte urheberrechtlich geschützte Daten rechtmäßig erworben wurden.

DRM Umgehung

Das Umgehen des Digital Rights Managements (DRM), also Umgehen des Kopierschutzes, soll konsequent bestraft werden. So ist es beispielsweise verboten, einen gekauften DVD-Film auf das iPad zu kopieren, wenn die DVD einen Kopierschutz hat, im Ausland käuflich erworbene Video-DVDs dürfen nicht derart manipuliert werden, dass sie auf heimischen DVD-Geräten abgespielt werden können, usw..

Kriminalisierung

Das Abkommen sieht vor, dass eine einfache, nichtkommerzielle Urheberrechtsverletzung (z.B. Filesharing) die Grundlage für Schadensersatzforderungen bietet. In der Vergangenheit hat die Content-Industrie hier gerne einen sechsstelligen Bereich für wenige Werke angesetzt was einen hohen zweistelligen Prozentsatz der Bevölkerung mit Privatinsolvenz bedroht. Damit nicht genug: ACTA verpflichtet seine Unterzeichner, im Strafmaß für Urheberrechtsverletzungen auch Gefängnisstrafen ausdrücklich vorzusehen. So werden Millionen von Menschen zu potentiellen Verbrechern gemacht.

Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt

Die theoretische Balance der Interessen im Urheberrecht wird hierdurch weiter zu Gunsten der Verwerter verschoben. Die ursprüngliche Funktion des Urheberrechts als Interessensausgleich zwischen den Beteiligten wird immer mehr zur Sicherung eines überholten Geschäftsmodells missbraucht.

Patentrecht

Durch ACTA entstehen Nachteile für wirtschaftlich schwache Länder, was beispielsweise die Beschaffung von Generika, Informationstechnologie und anderer preiswerter Produkte angeht. Die größten Ängste liegen bei der Versorgung mit Medikamenten. Hier gibt es z.B. im TRIPS-Abkommen flexible Ausnahmeregelungen um die Versorgung sicherstellen zu können. Produkte und Medikamente können mit ACTA schon beschlagnahmt werden, wenn im Durchreiseland ein vermeintliches Patent dafür existiert, auch wenn im Ursprungs- und Zielland nachgewiesenermaßen kein Patent gültig ist (Bsp: Indien liefert über USA nach Mexiko). Das Problem mit fälschlich beschlagnahmten Waren existiert heute schon und wird mit ACTA noch weiter verschärft. Sich rechtlich zu widersetzen ist sehr schwierig.

Geheimverhandlungen

Details zu den getroffenen Absprachen zwischen den Regierungen sind nicht öffentlich sondern geheim. Die Beratungen in einzelnen Ländern sind handverlesenen Wirtschafts- und Lobbyistenvertretern vorbehalten. Die Zivilgesellschaft ist weitgehend ausgeschlossen.

keine parlamentarische Kontrolle

Insbesondere die Verweigerung der handlungsführenden Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament (EP) Informationen weiterzuleiten, ist nach Einführung des AEUV (Lissabonvertrags) höchst zweifelhaft, denn das EP muss seitdem in allen Phasen eines Verfahrens unverzüglich und umfassend durch die Kommission unterrichtet werden.

Öffentlichkeit wurde bewusst fehlinformiert

Es wurde offensichtlich, dass die Europäische Kommission bei einem Meeting am 22. März 2010 in Brüssel, das nur aufgrund von Druck aus dem EP und der Zivilgesellschaft stattfand, den Teilnehmern gefälschte Verhandlungsdokumente vorlegte.

Entgegen den Beteuerungen der Europäischen Kommission ist aus durchgesickerten Dokumenten nämlich ersichtlich, dass auch Regelungen, die über bestehendes EU-Recht hinausgehen, ernsthaft diskutiert wurden (Three-Strikes). Auch das Bundesjustizministerium hat die Unwahrheit verbreitet. Der Tenor war hier: „Es würden keine Rechte eingeschränkt oder Bürger schikaniert“

Länder mit gegenläufigen Interessen

Um Länder mit gegenläufigen Interessen auszuschließen, wird dieses Abkommen abseits der bereits existierenden Strukturen, der WIPO und der Welthandelsorganisation (WTO), ausgehandelt. ACTA spiegelt eindeutig die Interessen der Industriestaaten wider, nämlich die Erweiterung des Schutzes von geistigen Monopolrechten. Diese stehen den Interessen von Entwicklungs- und Schwellenländern sowie Bürgerrechtlern weltweit entgegen. In der WIPO herrscht diesbezüglich eine Pattsituation. Aber auch die unterschiedlichen Urheberrechtsphilosophien der Staaten stellen ein Problem für ein globales Abkommen dar. So zum Beispiel ist das Recht in der Bundesrepublik Deutschland urheberzentriert, in den USA hingegen wirtschaftlich ausgerichtet.

Ausweitung schon bestehender Abkommen und Organisationen wie TRIPS, WTO Agreement, WIPO, WZO

ACTA soll mit einer eigenständigen Organisation neben diese treten.


Schreibe einen Kommentar

Hinweis: Kommentare geben nur die persönliche Meinung desjenigen wieder, der sie schrieb. Durch die Bereitstellung der Kommentarfunktion machen sich die Betreiber dieser Website die Kommentare nicht zu eigen und müssen daher nicht derselben Meinung sein.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Verbindlich einzugebende Felder werden mit diesem Zeichen kenntlich gemacht: *

Weitere Beiträge:

Weitere Informationen

Suche

in